Wut tut gut! – Wut macht uns Angst.

Wut tut gut! – Wut macht uns Angst.

Warum tut Wut so gut? …Theorie zum Männerwochende “Der genährte Krieger”.

 Kurz: Weil die Wut evtl. die alte Sicherheit wieder herstellen kann, weil sie eine innere Not mir und anderen möglicherweise wieder hörbar bzw. erahnbar macht.  Weil sie zumindest ein nachträglicher eigenständiger Schritt in Richtung echter Kommunikation sein kann. Ist das so?

Warum macht uns die Wut so Angst?

 Weil sie uns an unsere eigene unterdrückte oder unbewusste Wut und unseren Schmerz erinnert (…und weil wenn sie wirklich unbewusst ausgedrückt auch destruktiv sein kann).

 

Alle unsere Probleme können auf frühkindliche Bindungstraumata zurückgeführt werden. 

Diese Traumata entstanden in einer Zeit als unser Präfrontaler Cortex (also unser Vergleichen, Erinnern, unsere Ideenwelt, unser Sprechen etc.) noch nicht ausgebildet waren, wir also völlig im Jetzt lebten … aus den ersten zwei Jahren unseres Lebens (plus den vorgeburtlichen Monaten unseres Daseins).

Wenn in dieser frühen Zeit deines Lebens  z.B. aus einem völlig banalen Grund ein Elternteil nicht gleich auf dein Schreien reagieren konnte (weil vielleicht gerade Staubsaugen oder am Klo etc.), dann durchlebtest du eine Todesangst. Eine Traumaaktivierung, die sich direkt mit unserem ANS (autonomen Nervensystem) verschaltete. Du wurdest in Folge förmlich zu dieser Aktivierung, zu dieser Unsicherheit. Auch wenn Engel oder andere Ressourcen des kleinen Menschenkörpers anwesend waren, prägte sich diese kleine biologische Abwesenheit des Elternteils und die daraus folgende physische Not in unser ANS ein. Es passierte vielleicht öfter in dieser Zeit und es entstand etwas wie eine neuronale Autobahn der Aktivierung. Völlig unabhängig davon, was wir später darüber DENKEN oder das Elternteil sich darüber dachte, …das es wahrscheinlich eh nur gut meinte oder es einfach gar nicht bemerkte. “Ist ja nicht wirklich was passiert, wir waren ja da!”

Es geht mir hier nicht um Schuld oder Verantwortung der Eltern, sondern allein um die Bewusstwerdung eines doch recht subtilen physischen Mechanismus.

Jedes unerwiderte Schreien lässt Adrenalin aufbauen. Wir befinden uns in Todesangst, wir kippen aus der Sicherheit, nach welcher unsere Biologie von Natur aus schreit. Gehört und beantwortet zu werden ist absolut lebensnotwendig. Da aber Wut kollektiv tabusiert wird  Die meisten würden vielleicht sagen, weil sie so destruktiv ist. NEIN, weil sie uns primär an unsere EIGENE unterdrückte Wut erinnert – lernen wir sie zu unterdrücken. In Wirklichkeit ist die Wut und der Zorn jedoch wieder die Möglichkeit, dort anzuknüpfen, wo wir unsere Lebenskraft einmal gekappt haben, weil wir mit unserem Körper lernten, dass wir wirkungslos sind, dass wir einfach nicht gehört werden. Achtung: Diese Not ist kein Gedanke des Kindes, keine Idee, kein Glaubenssatz (den man schnell mal ändert), sondern eine rein KÖRPERLICHE Erfahrung aus der prä-verbalen / prä-kortikalen Zeit unseres Menschseins. –

 

In der Folge unseres Lebens entstehen durch diese unbearbeiteten biologischen Referenzpunkte immer wieder neue Re-traumatisierungen, bzw. Trauma-Aktivierungen. Wir wiederholen einprägende, traumatisierende Erfahrungen so lange, bis wir bewusst wahrnehmen können, was da denn eigentlich jetzt heilsam für das ganze Wesen wäre. Bis dieser aktivierte Teil  gesehen und beantwortet werden kann. Die “Living Forward” (Begriff von E. Gendelin) Kraft des Lebens   strebt aus sich heraus nach Bewusstwerdung. Auch die sogenannten dunklen Energien, “die stets das Böse wollen, und doch das Gute schaffen” (Goethes Faust), schaffen “das Gute” durch immer nur noch mehr Transparenzwerdung / Aufmerksamkeit.

Bei jeder (Re-)traumatisierung entsteht immer wieder sehr viel Adrenalin. Wird dieses Adrenalin körperlich ausgezittert oder sogar physisch ausgekämpft, landet der Körper in einer neuen Sicherheit. Denn nicht das traumatische Ereignis selbst ist das Problem, sondern die Unmöglichkeit es auszuzittern, es zu regulieren bzw. dich wieder zu regenerieren.

Die Regeneration mit Hilfe des parasympathischen Vagusnervs kann jederzeit einsetzen. Ist aber für unser Denken „eh nichts passiert!” und gibt es also gar keinen Grund wütend oder verschreckt zu sein (“Reg dich nicht so auf!”), es gibt ja gar keinen sichtbaren äußeren Todeskampf, dann verdrängen wir die Wut gern und gut und das erzeugte Adrenalin kann nicht immer abgebaut werden. Dieses nicht abgebaute Adrenalin einer Daueraktivierung (serielle Traumatisierung) führt übrigens auch physiologisch zu Entzündungen im Körper. Alle unsere Probleme können anscheinend auf frühkindliche Bindungstraumata zurückgeführt werden. Zumindest können wir mit dieser Sichtweise effizient an einem wieder Ganz-werden arbeiten.

Um die innere Ladung nicht mit Gedanken zu relativieren, ist es auch so wichtig unterscheiden zu lernen, was ein Gedanke ist und was das darunterliegende Gefühl ist. Diese Unterscheidung in sozialer Sicherheit wieder erlebbar zu machen (statt sich mit Gedanken und Geschichten über unser Leid uns immer wieder zu  identifizieren) – das ehrlich in einem sicheren Setting mitzuteilen, das lässt das ANS wieder physisch und messbar wachsen. Die eigenen Spielräume, kreative Lebendigkeit und authentisch verbundene Lebensfreude weiten sich wieder aus.

 

Dieses Wochenende starten wir wieder ein Männerzeit Jahres-Zyklus. Diesmal der Süden mit dem Titel „Der genährte Krieger“

 Mag noch jemand spontan aufspringen? Das ist auch unter dem Jahr noch möglich:

https://so-sein.at/wp/wp-content/uploads/2022/09/Zyklus-Maennerzeit_2023.8Seiten.pdf

1 Kommentar

  1. Eine gute 30min Video-Zusammenfassung zur Theorie der Bindungstraumen von Frau Doris Hopf findest du hier: https://youtu.be/yeZNGqDICCc

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