Stille als scharfe Attraktion?

Stille als scharfe Attraktion?

Vor kurzem meinte ein Freund, dass ich die reine Präsenz der Stille etwas mehr sexy aufpeppen solle, damit meine Angebote dadurch attraktiver und werbewirksamer werden könnten. Ich möchte meine innere Reaktion auf diesen gutgemeinten freundschaftlichen Rat beschreiben, um möglicherweise bei jenen Lesern Resonanz zu erzeugen, für die die Stille Angeboten* von so-sein.at passen könnten.

Mein erste Reaktion auf das „Aufpeppen der Stille“ war: „Ja klar, alles geht. In der Mitte und Stille meines Wesens kann ich all das auch noch tun. Die Texte auf der Homepage über die Oasen lebendiger Stille sind ohnedies schon veraltet. Ein Foto und ein kurzer Text, … ich bieg das schon irgendwie hin.“

Dann erst bemerkte ich mein ĂĽberfordert sein damit: „Ja, was denn noch alles? Hab nicht schon viel zu laut und lange die Stille in die Welt hinaus geschrien? Ich bin erschöpft davon. Ist die Werbe Anstrengung dafĂĽr nicht insofern auch widersinnig, dass Stille aus sich selbst heraus wirkt. Lebendige wahrhaftige Stille, also da wo etwas wirklich zur Ruhe in dir kommen darf und wo etwas in dir all das beherbergen kann, was die Welt um dich gerade so herausfordert, ja das wirkt doch aus sich selbst heraus als ein riesiger anziehender Magnet. Brauchen wir hierfĂĽr wirklich noch einen extra aufmunternden, erfrischenden Text und ein „scharfes“ Foto dazu? – Nein!“

Diese erschöpfte Stimme in mir einmal anerkannt, fasste ich neuen Mut und spĂĽrte, dass Stille ja wirklich auch in die Verkleidung eines peppigen Bildes steigen könnte. Ich sah frische Tautropfen oder pricklige Wasserfälle vor mir. Die Oasen lebendiger Stille da drauĂźen in der Naturbegegnung. Am selben Tag schickte mir eine Freundin “zufällig” Fotos, die bei einem Workshop von mir entstanden sind und da waren gleich wieder die passenden Formulierungen, die authentische natĂĽrliche Attraktivität von Meditierenden heraustreichen hätten können – Hier sind sie die Fotos:

 

 

Achtsam wollte ich bleiben und genau spüren, wo all das Texten und Bemühen nur eine weitere Anstrengung werden würde, die diese sehr vertraute unverbundene, überforderte Blendung wird, die so oft Teil unser aller Alltages ist. Wir alle kennen diese Blendung, wenn wir denken, dass irgendetwas noch nicht gut genug sei und wir identifiziert damit sind, allein die Kontrolle der Veränderung dafür zu sein. Da, wo wir uns innerlich verengen.

Um wieviel weniger dürfen wir uns also anstrengen? Dürfen uns als stillen inneren See unserer Umgebung zur Verfügung stellen ohne etwas zu müssen oder anders haben zu wollen? Gerade dadurch entsteht ja die lebendige Verbindung, nach der wir uns so sehr sehnen. Verbunden mit allen Wesen, mit Körper und Geist im immer passenden dynamischen Abstand zueinander. Miteinander.

Wahrlich verkörperte Stille braucht keinen sexy Auftritt, denn sie berührt ohnedies aus sich selbst heraus. Sie ist in ihrer Ausdehnung ansteckend und fasziniert so aus sich selbst. Verbunden und liebevoll, genährt und vertrauensvoll, kreativ und sicher fühlt sie sich an, diese so attraktive Stille.

 

 

 

* ein Retreat Urlaub oder eine Waldauszeit, siehe: https://so-sein.at/wp/2021/11/die-naechsten-so-sein-termine/

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