Spaltung und tiefe Begegnung bei Entscheidungsfindungen

  Ist Entscheidungsfindung auch mittels Intuition hilfreich? Nach einem ersten vagen Artikel über Intuition bzw. über ein inneres Orientierungsbild zum Lockdown, das über wissenschaftliche Fakten hinaus reichen kann, kommen hier nun weitere Überlegungen darüber, wie wir Entscheidungen treffen können bzw. warum diese Überlegungen gerade jetzt so aktuell sind.

Ich dachte nicht, wie angreifbar ich mit dem Thema Intuition machen kann. Da Menschen Angst vor intuitiven Entscheidungen haben, lehnen sie sie als vor-wissenschaftlich ab. Es gibt trotz all der verschiedenen „richtigen“ Fakten einen Ort jenseits von falsch und richtig, wo wir einander begegnen können. Mehr als je zuvor ist mir dieser Raum der Begegnung wichtig geworden, gerade weil auch ich mir mit manchen Haltungen meiner Mitmenschen wirklich schwer tat und dachte ich müsse mich nun von alten Bekannten verabschieden. Tieferliegende Gemeinsamkeiten zwischen Gespaltenem herauszuschälen, darum geht es mir. Dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und auch spüren, wie viel wir eigentlich gemeinsam haben, ist zentral. Ich bin mit meiner Botschaft nicht alleine, sie ist nicht neu und sie ist auch keine leise Ahnung oder Idee, sondern eine wiederholte innere und äußere Erfahrung meinerseits:

Wir befinden uns als Gesellschaft im Übergang von einer rein rational orientierten und logisch argumentierten Wirklichkeit in eine größere Möglichkeit der Kommunikation und Begegnung. Mit all den Schwierigkeiten, die eine solche Durchsetzung des durch die Aufklärung gewonnen Bodens auch mit sich bringt. Dieser wackelige Paradigmenwechsel hat natürlich schon viel früher als 2020 begonnen. Mit dem weltweiten Corona-symptom sind wir alle ziemlich heraus-gefÖrdert – naja, natürlich auch immer wieder sehr gefordert, zerknirscht und am Boden zerstört. Immer schon lebten „ach (zumindest) zwei Seelen“ in unserer Brust, immer schon gab es innere und äußere (gesellschaftliche) Spaltung. Doch jetzt wollen sich, so meine ich, bestimmte Arten von Spaltungen dringlichst integrieren. Das Leben beißt uns förmlich in den Hintern. Wir befinden uns an einer evolutionären Stromschnelle. Damit eine kollektive Integration der inneren und äußeren Trennung jedoch geschehen kann, muss diese Spaltung zuerst einmal gesehen und anerkannt werden. Sinnbildlich steht für die Spaltung zwischen Ratio und Herz (und somit auch zwischen Überlebenstrieb und Einheit) die Schutzpatronin der Seuchen, die heilige Corona, die vermutlich im Jahre 177n.Chr. zwischen zwei Palmen aufgespannt zerrissen wurde. Und sinnbildlich stehen dafür wahrscheinlich dzt. viele erlebte Situationen, wo Begegnung plötzlich nicht mehr möglich war.  Meine unpolitischen Yoga-Videos wurden z.B. unlängst von einem Yoga(!!!)-portal gelöscht, angeblich nicht weil So-Sein Yoga zu schlecht für dieses Portal wäre, sondern weil meine persönliche Art der Meinungs- und Entscheidungsfindung, wie ich sie gern auch auf Facebook teile, als gemeingefährlich angesehen wurde.

Doch wie fälle ich denn nun Entscheidungen? Was glaube ich, ist neben einer nur vermeintlich einzig richtigen Statistik für mich auch noch entscheidend? Ich mag in diesem Zusammenhang die umfangreiche Sicht von Vivian Dittmar.  Sie beschreibt in diesem Video (!)  wie neben der Ratio, eben auch Intuition, Inspiration, Herzintelligenz und Absicht sich gegenseitig ergänzen können. Vivian unterscheidet dabei sehr wohl zwischen Prä-rationalität und Trans-rationalität. Nein, wir müssen nicht verdummen, nur weil wir die Intuition für uns nützen.

 

Treffend dazu schrieb mir ein Freund
“Die Spaltung, die stattfindet, markiert das Ende des rationalen Zeitalters. Der Verstand stellt sich über das Leben und wird dafür / damit bezahlen müssen. Die Reunion, das neue Wir, entsteht erst wenn der Herzraum geöffnet wurde, ohne dabei den Verstand zu negieren.”

 

Dass Intuition für manche natürlich immer noch bedrohlich ist, wie sie ja für die Mächtigen immer auch war und noch ist, das kann ich gut verstehen. Dafür kann ich Mitgefühl entwickeln.

Genau solche, zuerst einschreckenden Erlebnisse werden mir letztlich zu inneren Klarheiten und Meilensteinen auf einem Pfad hinein in ein gestärktes Miteinander. Dort wo wir uns jenseits eines argumentativen richtig oder falsch treffen können. Wo wir uns in unserer zarten Verletzlichkeit zeigen und mitteilen können, statt zu mauern und besser zu wissen. Natürlich ohne dabei den Verstand zu negieren. Andere einfach als „Schlafschaf“ oder als „Verschwörungstheoretiker“ zu bezeichnen, das bringt uns längerfristig nicht weiter. Wir sind 2020 besonders herausgefordert mit einem Bewusstseinswandel, bei dem es um ein Wiederherstellen der Verbindung, um ein Integrieren alter innerer und äußerer Spaltungen geht.

1 Kommentar

  1. Im Podcast So-Sprich loten wir auch “das Dritte” und den Zwischenraum aus:
    https://so-sein.at/wp/2020/08/so-sprich-der-podcast-von-so-sein-sascha/

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