Der eigenen inneren Opferhaltung auf die Schliche kommen

 

In der Opferhaltung sind wir im Widerstand (ebenso in der Täter-, sowie in der Retterhaltung): „Was mir widerfährt ist nicht gerecht! Es sollte anders sein!“  Das jedoch was du energetisch ablehnst, das stärkst du. What you resist, persists! Das ist auch Grundmaxim der So-Seins Begleitung.

„Heirate dich selbst!“ „Hab dich lieb“, ist in aller Munde. Das ist finde ich auch gut so.

Hier nur eine kleine persönliche Anmerkung dazu, die der eigenen inneren Opferhaltung völlig auf die Schliche kommen möchte, und so vielleicht auch Inspiration auf deinem Weg sein kann. Selbsterkenntnis und Selbstliebe („lieben, was und wie es ist“) stehen in Wechselwirkung.

 

Sich selbst lieben, das kann nur der/die wirklich tun, der sich richtig kennt. 

Der/Die sich richtig kennt, liebt sich ganz automatisch selbst.

In meinem Fall war Selbstliebe zynisch bzw. immer irgendwie auch etwas vergebens gewesen. Irgenwie widersinnig und schmerzlich solange ich nicht hinabgestiegen bin bis tief in die erfahrbare Energetik des Geburtstraumas. Warum?

 

Viele meiner wirklich engagierten, ehrlichen und liebevollen Bemühungen mir und meiner Welt gegenüber sind letztlich versandet. Vieles was gut gelang, fühlte sich wie ein Geschenk an, das mir ohne eigene Anstrengung gegeben wurde. Persönliche Herzensprojekte endeten regelmäßig in einer frustrierenden Sackgasse. Immer wieder wurde mir einfach die Luft genommen für das, was ich dachte wirklich zu lieben. Es gelang mir durch Meditation in den reinen Geist zu „fliehen“ und das fühlte sich momentan immer gut und glücklich an. Ich erschloss mir auf diese meditative Weise meine Welt. Mental und über die oberen Chakren. Das ich im Grunde reines Bewusstsein bin, durfte ich derart relativ früh feststellen. Doch dort allein, in dieser Weite, dort ließ sich für mich längerfristig doch kein erfüllendes Leben führen. War ich wahrscheinlich zu wenig tief verankert in der Erfahrung des reinen Bewusstseins? Oder taugte Meditation allein einfach nicht für die gröberen, griffigen Schritte des Lebens? Das Leben müsste doch ein wenig mehr mit dieser Dualität hier zu tun haben, meinte ich, mehr zumindest als es im reinen Bewusstsein der Fall war. Aus all diesen Überlegungen strahlte ein unbewusster Schmerz, den ich mental erahnte, aber noch nicht erfahrlich greifen konnte. So sehnte ich mich nach Sinn: „Denn letztendlich müssen alle Arten von Bemühungen, und seien sie noch so weltlich irdisch in irgendeiner Form doch Sinn machen, oder?“ Irgendein Sinn-Narrativ müsste doch greifen? Wenn auch über Umwegen. Die Hingabe nahm ohnedies zu, über die Jahre. Was mich weiterleben ließ, was mich nährte, das empfand ich jedoch immer als Geschenk: Eine schöne zufällige Jobzusage da, plötzlich eine wunderbare Freundin dort, eine Einladung nach…

 

Wie war meine Reaktion auf das ständige Scheitern meiner individuellen irdischen Ausrichtungen?

–  Angekommen in den Sackgassen versuchte ich alles (sei es Selbstliebe, eine Karriere oder eine Projekt) entweder noch bemühter und angestrengter und/oder ich akzeptierte langsam, dass es einfach nie wirklich funktionieren würde. Ich richtete mich in einer stillen Resignation ein und fand sogar eine Art von geistiger Freiheit in dieser sicheren Beklemmung. Mentale Rechtfertigungen dafür fand ich in Aussagen des Neo-Advaita (z.B.: „Die unmittelbare Erfahrung des erwachten Geistes fragt nicht nach Sinn, sie ist jenseits jeglichen benennbaren Sinnes“ – Ich müsse also einfach nur noch mehr in den reinen Geist eintauchen. Im Nachhinein würde ich sagen: „Ja!“, so allgemein betrachtet und „Nein“, im praktisch psychologischen Einzelfall gesehen. -).

Es gab schöne Momente. Viele. Doch: Diese Bescheidenheit und die bereits akzeptierte Beliebigkeit des reinen Geistes war eben auch trügerisch. Eine Färbung der Ich-Identifzierung („ein Opfer dieser dualen Welt zu sein“) blieb sichtlich bestehen. Irgendein Funke von lebendiger Aufrichtigkeit diesem meinem Körper-Geistgeflecht gegenüber, irgendeine Sehnsucht nach Verfeinerung und tieferer Lösung in mir schien jedoch nicht aufgeben zu wollen und ich durfte daher frontal dem Beginn meines Lebens begegnen. Meinem Geburtstrauma. Darin steckte alles. Die Methode für die Begegnung mit meinem Geburtstrauma ist zweitrangig, denn es hätte mich überall treffen können. In meinem Fall war es einfach eine knackige indianische Schwitzhütte mit einem doch liebevollen Setting und guten Geistern. Mit einigen passenden Zufällen in den Wochen davor und danach.

 

Erst als ich wirklich zurückkehren durfte zu meiner Geburt, in die eigentliche Energetik dieses Moments, erst dann erkannte ich die enorme Abwehr diesem irdischen Körper gegenüber. Es war eine überwältigende Wut in mir, hier her auf diese Erden gezwungen worden zu sein. „Nie hätte ich mir so etwas ausgesucht!“ (*Es gibt sehr viele Ebenen. Die mir bis dahin zugänglichen Ebenen ließen sicherlich keine Freiwilligkeit für diese Geburt vermuten.) Erst als ich die Trauer über diesen „schrecklichen“ Umstand erleben durfte, erst als mein Herz bluten durfte, in eine ewige Spaltung bluten durfte zwischen „als Mensch leben zu dürfen“ und doch „nicht zur geistigen Mutter und zum Leben zu hinzuzukönnen“, irgendwie getrennt zu sein und geschockt zu sein von der gelebten, verwirklichten Trennungs-Illusion dieser meiner Welt (diese Illusion war damals noch vollkommen real und fix erfahrungsgemäß in eine Opferhaltung gemeiselt), erst dann wurde es langsam ruhig in mir. Wellen des liebevollen Verständnisses für die vielen zwiespältigen Momente, für das Hin- und Hergerissensein und für die ewige Unzufriedenheit durchzogen mich. Ich betrat einen neuen Boden, eine mir bisher unbekannte Größe, die Platz hatte für diese schreckliche innere Zerissenheit. Von da an musste ich weder „der Beste sein“, noch musste ich „ständig scheitern“. Und: es war nicht von Heute auf Morgen völlig vorbei: Viel eher gab es mir immer weniger Sicherheit, der Beste sein zu wollen / zu müssen. Noch gab es mir wirklich Identität, Halt oder Kraft, wieder und wieder zu scheitern und somit auf negative Weise recht zu haben.

Der sich daraus ergebende innere Frieden ist von sich aus liebevoll. Je besser ich mich kennenlernte, desto liebevoller war der Umgang mit diesem Körper-Geistgeflecht und desto weniger identifizierte ich mich wirklich damit. Ich genoß den ständigen Prozess der Veränderung immer mehr, als ich das Leben nur mehr als Veränderungprozess wahrnahm. Das ist viel wahrhaftiger als die Idee eines konstanten Ichs.

So-Sein Sascha im Januar 2019

 

 


 

 

Zwischen Psychologie (dichte Traumata) und Spirit („wide open space“) gibt es einen sich entwindenden, tanzenden, sehr lebendigen Kraftpunkt. Hier ein ausführlicher Vortrag dazu:

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