Was bedeutet So-Sein lassen?

Was bedeutet So-Sein lassen?

 

Es gäbe vielleicht nichts zu tun, es gäbe gar keinen Pfad?

Da kann ich ja gleich „ins Narrenkastl schauen“ und einfach irgendwie „neben der Spur sein“? 

Richtig, das kann es erstmal heißen und das ist wirklich recht missverständlich oder zumindest ziemlich leblos. – Doch Achtung – Dass es wirklich nichts zu tun gibt, daran musst du dich erstmal über einen längerfristigen Zeitraum ganz bewusst erinnern können. Das ist alles anderes als selbstverständlich für den Menschen aller Zeitalter. Erinnert mensch sich nämlich nicht, immer wieder oder sogar ständig voller Aufmerksamkeit daran, dass mensch nichts tun muss, dann glaubt mensch weiterhin ständig, etwas tun, kultivieren, ändern und festhalten zu müssen. Wenn du dich ein(!)mal daran erinnert hast, dass du in Wahrheit jeder Zwischenraum zwischen den benennbaren Inhalten deines Bewusstseins bist, also dass du nichts weniger als reines, undefinierbares, unfassbares (weil immer viel größeres) Bewusstsein bist – …ja, dann werden dir vielleicht manche Psychotherapeuten eine Diagnose schreiben, … dann werden dich viele jedenfalls nicht verstehen können, aber das macht dir dann auch nichts mehr. Dieses Aufwachen ins reine Bewusstsein(1), das anscheinend immer mehr Menschen in verschiedener Ausprägung erreicht, geht bestenfalls mit einem Erwachsen-werden(2) und einem inneren Reinigen(3) einher, ansonsten kann es schnell zu einem Einschlafen führen.

“Geht man davon aus, dass alle drei Grunddimensionen wichtig sind und jeweils beachtet oder missachtet werden können, kann man vieles in der psychologisch-spirituellen Entwicklung besser verstehen, als wenn man nur um eine oder zwei Dimensionen weiß.”

aus  “ERWACHEN, ERWACHSENWERDEN, AUFRÄUMEN” von Torsten Brügge

 

Wenn du dich also wirklich einmal tief daran erinnert haben solltest, wer du in Wahrheit bist,

dann ist zwar ein Brennpunkt auf deiner fiktiven Bewusstseinslandkarte markiert, doch das heißt noch lange nicht, dass du dich von nun an immer leicht daran erinnern kannst, dass du wirklich nichts anderes als jeder Zwischenraum bist. Nicht die Form, nicht das Benennbare, nicht dieses Ich und seine Geschichte. Ist die Erinnerung an den Zwischenraum nicht so tiefgründig erfahren worden, rufen dich die Verstrickungen in die Geschichten des Lebens sehr schnell wieder zurück in die Inhalte deines Bewusstseins. Nicht schlimm, aber längerfristig doch immer schmerzhaft (wenn auch nicht immer gleich bewusst), wenn du glaubst, dass du diese Form wirklich wärest.

 

Ich bin jeder Zwischenraum unserer aller benennbaren Inhalte. Und du bist das genau Selbe!

Wir alle sind dieser selbe Zwischenraum und haben uns doch mit einem individuellen sterblichen Körper verbunden. Wir verlieren uns damit gehörig in der Identifikation mit diesem Körper und seiner mentalen Geschichte dazu. Genial, absolut unbeschreiblich genial eingefädelt ist das, finde ich. Doch gibt es Möglichkeiten sich da wieder auszufädeln, ohne dabei den Körper und eine funktionstüchtige Ich-Stärke dabei zu verlieren? Vorausgesetzt du willst das überhaupt. Ich kenne gar nicht so viele Menschen, die wirklich vom ganzen Herzen frei sein wollen. Die wissen wollen, wer sie wirklich sind. Wahrscheinlich wollen wir eher sterben, als wirklich zu wissen, wer wir sind. Dann widerum sehnen sich wohl die meisten auf irgendeine Weise immer wieder einmal danach, das zu entdecken, was sie bewegt, was sie sehen, fühlen, handeln lässt.  Manche in denen dieses Feuer des Seins aber brennt verlieren sich auch im ewig alten Streit zweier spiritueller Gebäude. Der Streit zwischen Immanenz (“Über den Abstieg in den Ursprung”: z.B. Dragon-Dreaming, westliches Tantra, Tiefenökologie, GFK…) und Transzendenz (“Über den Aufstieg in den Ursprung”: z.B. Achtsamkeits- und Einsichtsmeditationen, die Stille und Einkehr aufsuchen, das Sich-Abwenden von der äußeren Welt). Andere verlieren sich in Sex, Macht oder Geld.

Da ich nun mal diesen Brennpunkt der Nicht-Dualität geschmeckt habe, kann ich hier auch keinen “billigeren Wein” mehr anbieten.

Es gibt so viele individuelle Pfade heraus aus dem Dilemma, wie es eben Lebewesen gibt. Einzelne Ent-wicklungs Methoden und Techniken aus der Ver-strickung heraus in die wahrhaftige Freiheit, davon gibt es auch sehr sehr viele. Ich habe seit meiner Kindheit gesucht und gesammelt und an folgenden Methoden Gefallen gefunden. Manche Methoden daraus hab ich zu einem Angebot (siehe so-sein.at) an dich gemacht.

 

╰☆╮

 

Grundsätzlich finde ich drei Dinge hilfreich fürs Erinnern an dein wahres Wesen, an jeden Zwischenraum, an das Selbst, das wir alle sind. Die drei Punkte gehen meistens ineinander über, sie sind kein Nacheinander, keine Sequenz.

  1. Täglich die eigene Energetik und Aufmerksamkeit anheben. Passiert durch Sport, in der Natur sein, Yoga-Asanas, Atmemübungen, Kaltwasser-Meditation, Kraftorte aufsuchen, guten, bewusst verbindenden Sex, Kunst, Fasten, schamanische Rituale etc. Das Anheben der Energie ist aber auch durch innere – und äußere Konflikte möglich. All deine Beziehungen geben dir nicht nur Sicherheit und Identität, sie helfen dir in Folge dabei, dich darüberhinaus auch zu erkennen. Auch wenn es dein Gegenüber vielleicht gar nicht bewusst so sehen würde.

 

  1. Den Zwischenraum zwischen Beobachter*in und Beobachtetem entdecken, …und immer wieder aufs Neue entdecken. Er ist so frisch und unberechenbar kreativ. Es ist immer einzigartig, was daraus geboren wird. Wenn du da wirklich bist, kannst du nur staunen und dankbar sein. Es gibt eine über den Buddhismus hinaus anwachsende Achtsamkeitsbewegung, die den neutralen Beobachter*in in dir trainiert. Um dich aber nicht mit diesem neutralen, vielleicht sehr disziplinierten Beobachter zu identifizieren, gilt es ihn ständig zu verfeinern, ihn immer wieder neu zu entblättern, wie eine Zwiebel. Die Frage „Wer bin ich?“ kann dabei hilfreich sein, vorausgesetzt du beantwortest sie nicht mit dem Kopf, sondern mit deinen Sinnen, mit deinem Herz oder deiner Ahnung. Die Antworten auf diese Frage werden mit der Zeit natürlich kürzer und verstummen schließlich ganz. Probier es aus, stell dir die Frage “Wer bin ich?” Es ist eben nicht benennbar, gell? Diese Übung ist auch immer wieder Teil der Meditationen im So-Sein Yoga. Um den Beobachter in dir gut zu stärken, kann Digital-Detox, Rückzug und Stille vom Vorteil sein. So-Sein Yoga zieht sich dazu jährlich mehrmals auf eine kleine autofreie Insel zurück. Dieser Retreat in den Regieraum der lebendigen Stille ist aber auch durch kürzere Meditationen möglich. “Hotline-Stille” ein Standby-Projekt von so-sein.at, wäre eine moderne Möglichkeit dazu, es gibt aber mittlerweile schon andere eignen Handy-Apps dafür, wo du in riesigen online Räumen gemeinsam atmest oder ooohhhmst.. – Als Einzelbegleitung empfehle ich Cafe-Yoga. Gäb´s auch via Skype.

 

  1. In die Gefühle hinein fallen, sie nicht rausschreien oder mental verstärken. Dieser dritte Punkt ist vielleicht gerade deswegen so wichtig, weil er in der spirituellen Szene kaum vertreten oder bekannt ist. Er ist auch erstmal schwer fassbar oder nicht so trianierbar wie andere Methoden. Du verlierst dich dabei nicht in der mentalen Geschichte, die du mit deinen Gefühlen verbindest, sondern fällst immer tiefer in die reine Energetik des Gefühls hinein. Solange bis es verbrennt und eine tiefere Schicht deines Wesens zum Vorschein kommt. Das könnte ein existentielleres Gefühl sein oder die lebendige Stille selbst. Eine tiefere Erfahrung. (siehe Punkt zwei: der immer frisch lebendige Zwischenraum) Beim Aufgehen in die Gefühle bleibt immer auch noch ca. 5-10% Beobachtung möglich. Derart kannst du durch all die Schichten deiner erfundenen und über Jahre organisch gewachsenen Welt durchrauschen (die Tiefe, Fülle, das Ich, deine dir eingeschriebene Rolle, dein Dharma erfahren). Eine kleine Splittergruppe im Neo-Advaita üben diesen dritten Punkt. Der bekannteste Vertreter dafür ist meines Wissens ist der Berliner Christian Meyer, bei dem ich seit 1,5 Jahren in Ausbildung bin. Dieser dritte Punkt ist immer wieder Teil der So-Sein Urlaub-Retreats.

Es gibt viele wunderbare, von Außen betrachtet eben nur im Ansatz sich widersprechende Methoden der Befreiung: Der/die Wissen Anreichernde (Jnani), der sein Ego so aufbläht, wie nur möglich. Der/die Übende, der/die seine Kontrolle über sich ausweitet bis ins Unendliche. Der/die Bakthi, der/die sich dem Äußeren hingibt und aufgibt. Im Ansatz unterscheiden sie sich, im Endeffekt führen sie das kleine Ich hinters Licht. Über bleibt das Größere.

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