Ein weiteres Interview mit Joya. Valle de Sensaciones

Ein weiteres Interview mit Joya. Valle de Sensaciones

 

Drei Jahre später, diesmal aus dem Valle de Sensaciones

Nach drei Jahren treffe ich meine alte Wüsten-Reisegefährtin Joya* wieder zum Skype Interview. Nachdem ich zwischendurch nur zufällig mal im Flugzeug traf, bin neugierig, wie ihr persönlicher Gemeinschafts-Weg nach ihrer Zeit in Tamera (h-i-e-r geht’s zum Interview von 2013) , in der “Kommune 108”– und „Copa da Vida“ weiterging. In “108”, wo ich Joya vor drei Jahren via Skype interviewen durfte, war sie die Jüngste, die meisten waren über 50. Sie konnte dort nicht das einbringen, was sie wollte. Die basisdemokratischen Entscheidungsstrukturen dauerten ihr in „108“ manchmal zu lange. Schließlich verweigerte man ihr sogar das Probejahr. Wütend reiste sie ab …zu einem Ökodorf Treffen nach Deutschland, wo sich ihr Schicksal wenden sollte.

Sie lernte Achim kennen. Und mit ihm lernte sie eine magische Architektur in einem erfrischenden Valle (dt. „Tal“) in Südspanien kennen. Achim hatte diesen Platz mit zwei früheren Partnerin über 15 Jahre hinweg gestaltet. Ganz im Geiste des besonderen Ortes als Hüter des Platzes, wie ihm sein langjähriger Freund und Schamane Helmut Sundragon bestätigt.

Achim nannte den Platz “Valle de Sensaciones”. Und genauso hatte es sich Joya in ihren aller kühnsten Visionen vorgestellt:

„Das ist ein künstlerisch gestaltetes, naturbelassener Tal. Alle Gebäude fügen sich natürlich in die Umgebung ein. Ein idealer Ort, um Menschen aus der Stadt einzuladen wieder in Kontakt mit natürlichem Leben zu kommen“, Joya

Hinter dem Namen „Sensacion“ steht für Joya so viel wie Gefühle, Sinne, „Wahrnehmung der Elemente“, Eintauchen in die Natur, …dabei auch manchmal nackt durch den Garten laufen.

 

 

Joya, wie ist es jetzt für dich zwei Jahre nachdem du Achim getroffen hast?

Das wofür ich lebe, die Gemeinschaft, das fehlt hier noch ein wenig.

natur im valleDas hier ist ein enormer Kraftplatz und ich bin hier „die Frau im Haus“. Das heißt ich leite den Garten, die Küche, Singkreise, Frauentreffen im Mondtempel. Jeden Montag kann man bei uns einsteigen. Auch wenn wir selten allein sind und vieles anbieten (siehe Website), fehlt mir noch das, was ich in Alentejo (Portugal) derzeit viel leichter haben könnte. Tamera, Mooji, ein riesiges Netzwerk an Gemeinschaftsprojekten das ist Alentejo für mich. Da sind wirklich genug Menschen, die Gemeinschaft leben wollen. Hier in den Alpujarras (die Gegend hier in Südspanien) gibt es wenige Gemeinschaften.

Eine Schweizerin hat gerade ihren zweiwöchigen Sommerurlaub bei uns gebucht. Die Brasilianerin Maria ist bereits 3 Wochen hier und hat vor länger zu bleiben. Sie bereichert den Platz sehr, allein dadurch, dass sie die Qualität des Platzes wirklich erkennt. Manche reisen hier nur durch, aber eine Woche sollte man schon Zeit nehmen, wenn man zu uns ins Valle kommt.

Es ist schon „okay“ ein „Gemeinschafts-Schnupperort“ zu sein, doch es braucht noch die größere Gemeinschaft. Wir sind im Moment zu dritt im Team. Und Achim will bewusst raus aus der Leitungsrolle. Und er traut die Weiterentwicklung von „Valle de Sensaciones“ den Frauen eher zu als Männern.

 

 

Interessant. – Dir sind Frauenkreise sehr wichtig. Könntest du es gendergerecht nicht einfach „Kreise heiliger Weiblichkeit“ nennen oder geht es dir da wirklich so sehr um die Biologie der Frau?

Freitags haben wir einen Singkreis im „Mondtempel“, bei dem wir in einen weiblichen Raum eintauchen, bei dem auch Männer willkommen sind. Doch reine Frauenkreise ohne Männer sind für mich sehr besonders. Es ist spannend sich unter Frauen über den weiblichen Zyklus und andere Dinge des Frauseins auszutauschen. Viele Frauen sind entspannter und natürlicher, wenn keine Männer in der Nähe sind. Die Konkurrenz unter Frauen fällt weg, frau muss da nicht flirten, frau muss nicht schön sein,… Immer wieder entsteht eine magische Kraft und spontane Heilungsräume unter Frauen. Ich glaube auch, dass Frauenkreise sehr essentiell sind, um Liebe ohne Angst („Freie Liebe“) zu lernen. Wenn Frauen in tiefen Kontakt zueinander kommen und sich gegenseitig unterstützen, ist es möglich die Konkurrenz unter ihnen zu überwinden und wieder Vertrauen in die Liebe zu finden.

Der Spirit des Valles ruft nach “Women – Empowerment”. So wünschen wir uns, dass Frauen und weibliches Wissen hier besonders erkannt werden kann, also geehrt wird. Männer sollen schon mitentscheiden können, doch das weibliche Feld spielt in zweierlei Hinsicht eine tragende Rolle:

Zum einen mag es Achim sehr, die Göttin in der Frau zu verehren. In diesem Sinne haben wir letzten Sommer auch Ruby May mit ihrem Workshop “Elsewhere” eingeladen.  Es ging dabei ums Eintreten in Räume, die man sich im Alltag nicht zutraut. Dafür war das Valle auch perfekt. Die verschiedenen Baumhäuser wurden für verschiedene Themen genutzt.

Achim der jetzt auch ins Bild kommt, ergänzt:

joyaachimIch traue es Frauen eher zu eine stimmige Vision zur Weiterentwicklung des Valle zu entwickeln und zu halten. Männliche anpackende Organisationswut übersieht da oft einiges.

Und Achim meint weiter:

Jetzt geht es einfach darum, mich zu öffnen und weiterzugeben. Wenn ich finanziell zum Teil ausgelöst werde, dann kann dieses soziale Kunstwerk hier gut weiter gedeihen und es muss nicht allein auf meinen Schultern lasten. Wir sind auch, aber eben nicht nur ein Gemeinschaftsübungsplatz für ein oder zwei Wochen.

 

 

 

Ruby May war bei euch und hat euch auch zu Sexpositiven Räume inspiriert. Was ist denn damit gemeint?

Das sind Räume, wo sexuelle Impulse willkommen sind. Oder wo man auch offen und positiv über Sex sprechen kann. Natürlich kann man da auch strukturelle Grenzen setzen und z.B. sagen, dass wenn Kinder im Raum sind, dass man dann gewisse Regeln einhalten muss. Solche Räume sind uns neben dem sinnlichen Kontakt mit der Natur, der Kreativität, der Spiritualität und dem Schamanismus (Medizinrad, Schwitzhütten) wichtig.

 

 

strukturdesvalleJoya, was ist mit deinem „Schalfsaal-Leben“ in Tamera geworden. War das nicht überfordernd?

Ich bin gern mal allein in meinem Wohnwagen und dann wieder liebe ich es mit vielen Leuten in einem Raum zu schlafen. Und die Leute, die länger in Tamera leben haben auch Wohnwägen, in die sie sich zurückziehen können. Man geht immer mal über Grenzen in Gemeinschaften, überabeitet sich, das ist so ein Phänomen in Gemeinschaften. Und ja, es war schön eine Zeit hier im Tal ganz allein zu sein, oder nur mit Achim. Mich wieder ganz zu spüren, mit den Tieren und den Pflanzen. Es geht auch vieles schneller, wenn man nur zu zweit an einem Platz ist. Ein afrikanisches Sprichwort sagt:

„Wenn du schnell gehen willst gehe alleine, wenn du lange gehen willst, dann musst du mit anderen zusammmen gehen.“

Das geht flott, mit einem Leitungsteam, wie in Tamera oder einem spirituelles Oberhaupt wie Mooji, der bestimmt, wohin welcher Baum gepflanzt wird. Wir wünschen uns hier ein Team von etwa 12 Menschen, die gemeinsam basis-demokratisch entscheiden.

 

Doch was wäre dann der Unterschied zu “108”? Das war doch auch basisdemokratisch.

Der Unterschied zu 108 ist, dass wir hier eine klare Vision haben. Bei 108 ging es den Leuten zu Anfangs nur darum, einen Heimatraum neben Tamera zu schaffen. Da macht jeder sein Ding, neben drei obligatorischen Treffen pro Woche. Bei uns wird die Gruppe gemeinsam das Ökodorf Labor führen. Und wie schon gesagt, es geht klar um sinnlichen Kontakt mit der Natur, Arbeit mit dem Medizinrad, Kunst, Musik…und eben das Zusammenleben mit Menschen, die zu Besuch kommen, die Urlaub bei uns machen (-oder eben länger bleiben.)

 

 

 

apparatusWas zahle ich, wenn ich zu euch komme?

Achim hat dazu den Apparatus comunitus creativus entwickelt. Deine Kosten können jeden Tag neu bestimmt werden. Damit du dir nicht zu viel Arbeit über deine ganze Zeit hier vornimmst und dann doch nichts tun kannst, weil du krank wirst oder keine Lust mehr hast, kannst du jeden Tag mittels eines Murmelmodells selbst bestimmen, ob du für die Murmeln arbeiten oder bezahlen möchtest. Je nach des Lebensstandarts gibt es die Murmeln zu 3 verschiedenen Preisen zu kaufen. Abhängig von dem freiwilligen nichtmoneträren Beitrag wie Mitarbeit in den aktuellen Projekten und anderen Aktivitäten wie Musizieren, Wissen teilen, etc. ergibt sich der notwendige finanzielle Beitrag. Dieses kann ständig selbständig neu definiert werden, ohne das wir uns als Chef fühlen müssen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

*Nachsatz: Ich bin vor vielen Jahren mit Joya und einigen anderen in Montenegro und Albanien hauptsächlich wandernd unterwegs gewesen. Die Jahre darauf wanderten wir auch mit Kamelen durch die Bergwüste Sinai und verbrachten Zeit in der Negev Wüste in Israel. Neben den mich verzaubernden Landschaften und der starken Verbundenheit mit den Elementen, ist mir etwas ganz unvergesslich geblieben: Die Kreiskultur. Wir entschieden damals im Grunde alles durch die Weisheit der Gruppenpräsenz. Diese tiefe Ahnung von Weisheit innerhalb einer nicht-hierarchischen, achtsamen Gruppe, begleitet mich indirekt auch beim Yogaunterricht. Sowohl auf den Urlaub- Retreats in Susak als auch beim Morgen Yoga Klosterneuburg hat sich eine achtsame „Frühstückskultur“ entwickelt. Ein ungezwungenes und vertiefendes Zuhören (abseits von Selbstbehauptungen) ergibt sich nach dem Yoga ganz von selbst. Ganz ohne Methode oder Tradition.

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