Gastbeitrag aus der Jury – Romen Banerjee

Im Zuge der “Textsammelstelle für ein Erwachtes Wir” ein Gastbeitrag eines Jurymitglieds – Romen Banerjee

 

romen-banerjee

Individualismus –

Errungenschaft der Aufklärung, jedoch Geisel nach dem Aufwachen

 

 

forum erleuchtung – mit einer Fachtagung aufgewachter spiritueller Lehrer auf

dem 20. Rainbow Spirit Festival in Karlsruhe –

 

Gesellschaftliche Relevanz von Spiritualität.

Heutzutage ist bei großen Unternehmen Team- oder Kommunikationsfähigkeit

interessanterweise noch wichtiger, als die nötige Fachkompetenz.

 

Diese erstaunliche Entwicklung hat im Folgenden seine Ursache: In unseren

Tagen ist vieles bereits so erforscht, dass es einem einzelnen Menschen kaum

mehr möglich ist, eine echte originäre Erfindung zu machen. Eine Erfindung ist

nur noch im Team möglich.

 

Für spirituell Lehrende und ihre Schüler bedeutet dies, dass soziale

Kompetenzen für eine gesellschaftliche Bewusstseinstransformation wichtiger

sind, als die kontemplative Tiefe Einzelner und Erwachter.

 

Ein Transzendieren des uns heute, so heiligen Individualismus nach dem

Aufwachen, also der Auflösung der Identifikation mit den Mustern, erscheint

als ein in der Evolution des Menschen notwendiger Schritt.

 

Individualismus als Transformation des Konformismus

Individualismus ist eine wichtige Errungenschaft der aufgeklärten Moderne, die

ihrem Wesen nach mit dem wachsenden Selbstbewusstsein einer erstarkenden

Bürgerschaft in der Renaissance verbunden war. Zuvor konnte sich ein

individuelles Bewusstsein wie wir es heute kennen in einer konformistisch

geprägten gesellschaftlichen Ideologie gar nicht richtig entwickeln.

 

Das Aufwachen scheint ein notwendiger Schritt, der es überhaupt erst

ermöglicht, sich vom Individualismus zu lösen – genauso wie vorher die

Ausformung des Individuums notwendig war, um sich vom Konformismus zu

verabschieden. Aber dies reicht nicht aus. Gleichzeitig muss auch die

individuelle Perspektive aufgegeben werden. Wie oben beschrieben, löst sich

sonst zwar die Identifikation mit den Mustern – jedoch nicht das Ego selbst.

Dieser Prozess “gelingt” nur über die Herzensöffnung bei gleichzeitiger Aufgabe

der individuellen Perspektive. Nur so werden die alten Muster letztlich

aufgelöst. Ansonsten fällt das aufgewachte Sein wieder zurück – pendelt

zwischen kontemplativer Klarheit und alltäglicher Nicht-Identifikation mit dem

Ego (bis hin zur Verleugnung des Egos) hin und her.

 

Feldbewusstsein ist die Soziale Kompetenz der Erleuchteten

Neben dem Erkennen unserer wahren Natur (Leerheit und Formlosigkeit als

reine Bewusstheit bei gleichzeitiger Fülle erfahrbar als Form und Welt) erleben

wir uns im aufgewachten Zustand als überindividuell. Dieser Aspekt des

Überindividuellen lässt sich als Feld beschreiben – ein Feld, das in mir

stattfindet. Jede Handlung wird hier nun als Dienen und Hingabe an dieses Feld

erlebt und öffnet das Herz.

 

Ist der Mensch hingegen bereit, die überindividuelle Perspektive des Feldes

dauerhaft anzunehmen, geht er hier eine existenzielle Verbindlichkeit ein, die

ihm sein Herz aufreißt. Im Kleinen kennen wir dies, wenn wir eine

Liebesbeziehung eingehen oder eine Familie gründen. Auch hier haben wir die

Möglichkeit durch existentielle Verbindlichkeit eine wenn auch kleine

überindividuelle Feldperspektive zu entwickeln und werden mit einer

Herzensöffnung belohnt.

 

Die individuelle Perspektive kann ersetzt werden, durch die Perspektive des

erlebbaren Feldes, das in mir stattfindet. Und dies können wir nur, wenn es uns

bewusst wird. Es muss uns aber auch bewusst bleiben. Und dies kann es nur,

wenn wir dem Feld gegenüber bereit sind eine existentielle Verbindlichkeit

einzugehen. Wir müssen dem Feld dienen wollen.

 

Ein wichtiger Beitrag zu dieser Feldbildung und ihrer Bewusstwerdung ist die

von forum erleuchtung und dem Rainbow Spirit Festival am Pfingstmontag

gemeinsam organisierte prozessorientierte Fachtagung mit voraussichtlich 17

aufgewachten spirituellen Lehrern vor Publikum.

 

 

 

 

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