Das gebrannte Männerherz – Teil 1 und Seminarankündigung

 Loses Drüberfliegen

Frauen sind verdammt praktisch nah dran am Leben. Und finanziell besser gestellt sind sie heute oft nach der Trennung vom Mann1.

 Im Patriachat suchen die Männer nach dem Gral oder nach dem Nirvana. In Klüngeln streben sie. Von den Nibelungenhelden bis zu Hitler (der sucht sein Shambala im Himalaya), vom Zauberer Merlin bis zum Buddhismus – karge Männer suchen nach dem Mysterium, dem Unfassbaren, dem Unkontrollierbaren. Nach einem heiligen Gefäß. Die von der Mutter abgenabelten Männer flüchten nach vorne in den Geist und suchen kontrolliert und konsequent nach dem spirituellen Ausstieg aus dem Rad der Wiedergeburten. – Was haben sie also verloren, das sie derart suchen lässt? Bevor ich auf diese kollektive Abtrennung des patriachalen Mannes und die Wiedergewinnung seiner Kraft in der Alchemie des inneren Geschlechterkriegs in einem Folgeartikel (2) zurückkomme, möchte ich erstmal meine persönliche Geschichte  teilen. 

Immer schon fühlte ich einen transpersonalen, mentalen Überhang in mir. Ein innerer Überschwang konnte schneller „glücklich“ sein als mein ganzes System. Das gab mir die Möglichkeit mich von mir und meiner Umgebung zu distanzieren und dabei doch gleichzeitig in mentalem Kontakt mit meiner Welt zu bleiben. Zu sprechen und zu wissen, den anderen recht genau wahrzunehmen, stimmige wohlgeformte Erklärungen zu haben darüber, was letztlich aber nicht meine ganze Erfahrung war. Tiefere Teile meines Wesens waren damit nicht abgedeckt, die standen unter zittrigen, eingefrorenem Schock. Dort konnte ich den Schmerz des inneren Kindes nicht fühlen. Das Kind war sich nämlich gar nicht ganz sicher, ob es überhaupt leben will. Durch sportliche Ausdauer konnte ich eine rettende, hingebungsvolle mentale Identität erhalten, die durch ihre spirituelle Anbindung auch noch sehr stark von allerlei Traditionen und Engeln gestützt wurde. 

Irgendwann, vielleicht so um 2006 begann die große Zeit des Manifestierens. Alle wurde plötzlich zu Ko-Göttern, zu Resonanzgesetz-experten. Ko-kreation wurde zur Mode. Liebenswürdige Naivität, ein Hauch von Opfer und Größenwahn schwangen da für mich mit. Nicht nur, weil ich mir andauernd eine machtvolle spirituelle Heldengeschichte („Ein Held, der alles verlieren muss, um sich ins Göttliche aufzulösen“ – „das Weizenkorn oder auch die Raupe muss sterben“) erzählte, sondern auch weil ich ständig nach weiblicher Anerkennung und Aufnahme lechzte, nach einem sicheren Zuhause also, reiste ich bis nach Neuseeland, gab viel Geld aus, um 2008 Lehrer im Ko-kreieren zu werden. Ich setzte immer aufs Ganze. Ich ahnte, war ganz sicher, dass ich noch nicht angekommen war, dass ein großer, noch unbewusster Schmerz in mir wütete und dass ruhig alles schief gehen darf. Denn das eventuelle Schiefgehen passte sowohl zum spirituellen Helden, der ja zerbrechen und aufgeben WILL als auch zu dem inneren Kind, dass sich nicht sicher war, ob nicht vielleicht der Tod doch sicherer sei als das Leben hier auf Erden. Diesem Tonus gemäß manifestierte ich dann als ausgebildeter ThetahealingⓇ-lehrer auch meine eigenen Wünsche, zugleich immer auch hazardartig wünschend, dass für einen Helden wie mich alles zerbreche, damit er noch viel Größeres oder Schrecklicheres, Tieferes erfahren könne.

Und ja, ich manifestierte auf diese Weise natürlich knapp daneben. Das ging mit der Zeit sogar richtig auf die Nerven. Zunächst bekam ich genau die Familie und die Gemeinschaft, die ich mir wünschte. Es war wundersam, plötzlich war all die Verlorenheit wie weggeblasen, ich hatte eine Aufgabe und ein wunderbares Baby in meinen Armen. Doch ich wollte noch mehr, ich wollte am gesellschaftlichen Wandel beteiligt sein und ich wollte, dass auch meine Frau, die Heldin sei, die ich mir wünschte. Hatte mein Manifestieren etwa nicht geklappt? Ich projizierte alles in unsere gemeinsame Heldengeschichte, und wurde gleichzeitig immer sicherer und verhärteter, dass meine Frau nicht die war, wofür ich sie gern gehalten hätte. Und zu guter Letzt wurde dann auch noch meine eigene Heldengeschichte dekonstruiert. So wollte ich das doch, oder?

Natürlich immer nicht so, wie „held“ sich das vorgestellt.

Denn sei es der Eckerhart Tolle oder ein alter Mystiker- deren sogenannte „dunklen Nächte der Seele“ klingen nach einem kitschigen, billigen Hollywood-Schinken, gegen die Länge und die emotionale Erschöpfung, diese absolute Orientierungslosigkeit, die mich nicht nur eine Nacht, sondern um einiges länger begleiteten. Mit einem vorschnellen, transpersonalen (vielleicht doch prä-personalen) Lächeln erkannte ich immer wieder an, dass meine Wahrnehmung verzerrt war. Ich erkannte an, dass meine mentalen Ansprüche an Transparenz und Kommunikation entweder wie eine Fremdsprache für meine Umgebung tönten. Oder dass mein inneres Kind einfach zuviel Schmerz für diese Umgebung ausstrahlte. Ich hätte mein Leben dafür gewettet, dass der nahe Mensch so loyal und herzlich ist, wie ich ihn immer wieder wahrgenommen habe. Ein großes Misstrauen meiner eigenen Wahrnehmung gegenüber dräute mir, langsam, sehr langsam. So ging mir um meinen 40iger dann im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus und der zittrige, eingefrorene Schock erwachte. 

Nichts half, wir wurden als Gemeinschaft und Familie in alle Richtungen zersprengt. Das ist nun fast ein Jahr her. Seit damals irre ich als Nomade umher, recht lose. Manchmal ist es friedlich in mir, dann wieder tot, dann wieder sehr angespannt nervös und müde. Auch wenn ich sehr ausgedehnte Bewusstseinszustände kenne, zum ganz großen Aufgeben oder Aufwachen hat mich diese Zeit bisher noch nicht gebracht.

Einen positiven Ausblick darf ich doch geben: Das Teilen meiner Erfahrungen, das Erkennen der Gemeinsamkeiten unser aller Geschichten und das Vertrauen ins Aufdecken aller Irrtümer schält letztlich die unglaublich komplexe und intelligente Verbundenheit aller Wesen immer mehr heraus. Egal wie weit wir uns als Einzelperson oder Menschheit davon bereits entfernt haben. – Sorry, aber mit transzendenter Erhabenheit, Gleichmutkultivierung, dissoziativen Meditationsformen oder heiligen Heldengeschichten, zumindest was ich einst darunter verstanden hatte, damit hat das alles herzlich wenig zu tun. So wie “ständig busy sein” überschätzt werden kann, so kann es auch falsch verstandene, tote Stille sein. Es geht doch viel mehr um ein Hinein-ins-Leben, um ein mit der bunten Polarität gemeinsam als um eine Befreiung davon. Hab ich etwas missverstanden? 

 

1Klar macht es Sinn, ´Mann´ als eine vom biologischen Geschlecht unabhängige Qualität und Kraft zu betrachten, die zu jedem Zeitgeist, in jeder Persönlichkeitsstruktur sich anders ausdrücken mag. Ich sag manchmal einfach Mann und Frau und meine damit allein die männliche und weibliche Qualitäten in mir. Letztlich sind aber auch dies allesamt nur Konzepte und Hinweisschilder, um persönliche Erfahrungen möglichst hautnah zu teilen.

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Vorschau auf einen zweiten Artikel zu „Das Gebrannte Männerherz“ (2) und eine Einladung zu einem gleichnamigen Männerseminar Ende September 2015.

 Am Anfang war ein Kreis von Männer. Sie schauten nach außen. Hinter ihrem Rücken beschützten sie Frauen und Kinder mit Lanzen, vor etwaigen Gefahren. Eine archäische Aufstellung.

Welche sinnvolle Aufgabe kommt denn der männlichen Kraft heute zu? Auch wenn die heutigen Familien heute kleiner sind als Sippen und auch wenn sie großteils (im Konsum verloren) zerrissen sind, dieses archaische Bild kenne ich in mir und anderen sehr gut. Als ich das erste Mal für meine schwangere Frau in den Supermarkt einkaufen ging, fühlte ich es. Als ich homoöpathische Medizin ins Krankenhaus schmuggelte, um meine damals halbjährige Tochter von einem bedrohlichen Husten zu befreien, fühlte ich es auch. …mehr in Kürze hier.

 

 

Seminarankündigung: „Das gebrannte Männerherz“

 Vom ungestillten Jungen zum (alleinerziehenden) Mann

Samstag 26. Sept. 15 Uhr bis Sonntag 27.Sept. 15 Uhr 2015, im Wienerwald

Zwei initiierte und alleinerziehende Väter, Georg Chvatal und Sascha Tscherni laden biologische Männer (auch Undefinierte sind willkommen) auf eine gemeinsame Tagesreise in die eigenen Kraft ein. Wir erforschen und begegnen der männlichen Kraft durch Bewusstseins-Übungen, Redekreise, Spiele und Erdung im Wald.
    •  „Wie können wir den Anforderungen unserer Gesellschaft gerecht werden, ohne uns dabei an die unhinterfragten und oftmals destruktiven Werte unserer Gesellschaft anzupassen?“ (J. Krishnamurti)
    • Als Seminarleiter zählen wir uns selbst zu manchmal frustrierten, oft gutmütigen Männern, die immer wieder neu und mutig in die eigene Kraft kommen wollen, die eine Sehnsucht nach Verstandensein und sich selbst verstehen wollen in sich tragen.
    • „Du bist hier an diesem Punkt angelangt, weil Du Dich so entschieden hast, du musst nur verstehen, warum du dich so entschieden hast. Noch ist es dir nicht ganz klar.“
    • Herzenskrieger, Spieler, Weiser verbinde dich mit deiner Ahnenkraft und entdecke deinen nächsten klaren Schritt!
      Warum sollte das Leben nicht auch dich in eine ganz neue Zeit vögeln“ – Erkenne dich an.
Leitung
Mag. Sascha Tscherni (*1974, Vater, Yogalehrer, mehr auf: https://so-sein.at/wp/2011/07/mich/)

Mag. Georg Chvatal (*1975, Vater, Gruppenleiter, Leiter für schamanische und tantrische Rituale, Musiker, Trommellehrer/-bauer,)

Kosten:   EUR 80,– Die Kosten sind für Essen, Unterkunft, Initiative und Organisation des Treffens.Wir sehen uns als gleichwertig, gleich-verantwortlich und auf Augenhöhe mit dir im Kreis. Auch wenn wir zwei vielleicht manches Methodisches anregen werden, werden alle gleichsam von der Intelligenz des Kreises geleitet.

      Anzahlung bitte EUR 40,– auf das Konto IBAN: AT92 1100 0107 8159 6100 (lt. auf Georg Chvatal)

1 Kommentar

  1. Jede Minute der Kommunikation zwischen den Geschlechtern,
    seien es die aktuellen innerlichen Anteile,
    oder die alten eingeschlafenen Beziehungskisten von vor 10 Jahren,
    jede Minute, die Transparenz und Klarheit in den wirren Dschungel des Geschlechterkampfes bringt, ist nachhaltig friedensstiftend.

    Darum fahr ich im August wieder nach Kautzen:

    https://drive.google.com/file/d/0B7lmhXqY8-DFSGNKWjJSQWY5bUk/view

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