Schwimmen Yogis gegen den Strom oder sind sie gut im Fluss ?

Schwimmen Yogis gegen den Strom oder sind sie gut im Fluss ?

Der alte und der neue Yogi. – Und deren Verhältnis zum Mainstream.

 

Das traditionelle Bild des Yogalehrers wäre wahrscheinlich ein zurückgezogener, stiller Mönch, der seine Schüler in die Selbstverantwortung hinein eher loswerden möchte, als sie an sich zu binden. J.Krishnamurti konnte wütend werden, wenn manche auch nach Jahren immer noch zu seinen Vorträgen kamen. Sie hätten es schon längst kapieren sollen. Nur wer wirklich will und daher harte Strapazen auf sich nimmt, kann ihn erreichen, ihn verstehen, den höherstehenden von der Tradition geweihten und autorisierten Yogi. Jegliche Art von Werbung käme ihm nicht in den Sinn. Die Schüler unter sich hatten auch nur wenig Zeit des „Socialisings“. Übersetzt in unsere Zeit: Schweigen und Warten reichte als Marketingstrategie des alten Yogameisters. Besser gesagt, es brauchte überhaupt gar kein Marketing. Die Kasten/Klassengesellschaft und die Tradition verschaffte ihm den Zulauf von selbst.

Ich durfte einiges aus dieser alten Schule mitnehmen:  Unter der Bettkante eines 103 jährigen indischen Yogameisters hab ich Privatunterricht genossen. Ich verbrachte Jahre lang in Ashrams, wo es hoch angesehen war sich gegenseitig nicht anzusehen, möglichst wenig miteinander zu reden, eben ganz bei sich zu bleiben. Jahre später saß ich mit befreundeten „Kunden“ nach dem Yoga beim Wein in öffentlichen Lokalen, unterhielt mich angeregt in die Nacht hinein und hinterlegte da und dort meine Flyer. Heute vernetze ich mich mit allerlei Menschen und Projekten und poste zumindest einmal die Woche etwas auf meine “Hotline-Stille” Facebook-Seite.

Es wäre, glaube ich, viel zu einfach hier nur den Verfall einer alten Tradition an einen natürlich vollkommen entwurzelten Kapitalismus zu sehen. Das Thema ist weit, merke ich. Mein Standpunkt: Spielen wir so gut wie es geht mit dem Drachen des sich gerade bis ins Unerdenklichste aufbäumenden Kapitalismus und lernen wir jeden Moment aufs Neue unsere eigenen Lektionen daraus. Nicht nur Rom ging unter, Amerika wird es auch noch. Die Frage ist nur, wie sich noch weiteres Leid verhindern lässt? Inwieweit können sich dabei Yoga und “Mainstream”, also wie können sich Medien, Politik, Zivilgesellschaft und Yoga gegenseitig befruchten? Eines ist klar: Leben, Dynamik und Wachstum findet nur innerhalb von Polaritäten statt. Zwischen jenen kollektiven (z.B. arm und reich)-  und jenen naturgegebenen Polaritäten (z.B. kalt und heiß) – ABER auch jenen Polaritäten, die wir ständig neu erschaffen, ver- und bestärken oder auch unterscheidend verfeinern. Und hier kann Bewusstseinsarbeit und Yoga ansetzen, meine ich. Ich hab einfach mal meine Kund*innen gefragt, wie sie dem kapitalistischen Mainstream begegnen. Hier ein Ausschnitt des letzten Newsletters von so-sein.at. (In den Newsletter eintragen ?)

“Magst du uns deine Lust bzw. deinen Frust bei deiner persönlichen Auseinandersetzung “mit dem Mainstream” erzählen ? Für deinen kurzen Bericht  -zwischen zwei Zeilen und zwei Seiten- bekommst du 10% Ermäßigung für die kommenden So-Sein Yogakurse. Z.B. für die So-Sein Reise nach Susak Ende September oder für einen Kurs in Wien oder Klosterneuburg.

Erzähl uns von deinen “Wachstumsschmerzen”, von deiner persönlichen Reibung mit dem kollektiven gesellschaftlichen Feld. Anstrengendes Zermürbendes wie lustvolles Hervorragendes. Es geht um deine persönliche Geschichte. Ein Erzähl-Wettbewerb wäre sinnlos, denn gewonnen hast du ja schon. Du kannst uns nur noch dran teilhaben lassen, uns auch daran gewinnen lassen und schon sind dir 10% Vergünstigung sicher. 

 Was hat das nun mit So-Sein und Bewusstseinsarbeit zu tun ?

Kennst du vielleicht die Gauß´sche Glockenfunktion? Kannst du dich an diese Glockenkurve erinnern? 
In der Mitte ist eine große Häufung, in diesem Fall “eine Status Quo Haltung des österreichischen Mainstreams”. Und links und rechts dieser Mitte gibt es schwächere Ränder: Da wären die recht untypische Haltungen und Meinungen, eben alternative, individuelle, abweichende Haltungen und auch Taten und Gewohnheiten abseits des Mainstreams angesiedelt.
Höheres Bewusstsein provoziert oder irritiert eingeschlafeneres Bewusstsein immer wieder mal. Geht nicht anders. Achtung,es handelt sich hier um keinen totalitären Anspruch, der höhere und niederere Menschen gegenüberstellt. Gemeint sind einzelne morphogenetische Gesellschaftsfelder, wo sich durch das ganz natürliche Aneinandergeraten verschiedener Wahrnehmungen und Bewusstheiten immer wieder fruchtbare Erneuerungen und Weiterentwicklungen ergeben. Innerhalb dieser Felder gibt es eben scheinbar “sicherere” Plätze, also starke Häufigkeitsfelder von Haltungen und Gewohnheiten und eben unbekanntere, neuere, pionierhafte, oft recht visionäre Haltungen und Gewohnheiten. Je breiter das Spektrum verschiedener Haltungen ist und je mehr Austausch zwischen der Mitte und den Außenrändern stattfindet, desto lebendiger und dynamischer ist´s, desto eher “schlüpft auch der Schmetterling aus der Raupe”. Ich hoffe es versteht sich von selbst, dass diese metaphorische “Raupe” hier nicht abgewertet wird, sondern eine unabdingbare Basis für Weiterentwicklung darstellt.

Bevor es hier zu theoretisch wird, kurz ein typisches Beispiel:

Der österreichische Mainstream bevorzugt immer noch die Zersiedlung von Dörfern durch einzelne abgeschottete Einfamilienhäusern mit privaten Gärten. Ein kleine Randgruppe hingegen wünscht sich ein Ökodorf, wie es in Deutschland schon gibt. Der Austausch zwischen der “sicheren”, weil mächtigeren Mainstream Haltung und der oft in sich aufgeweckten, bunten, weniger etablierten Randgruppe führt zu Lust und Frust. Ja, auch auf Seiten des sich wandelnden Mainstreams. Beispiele solcher Art von Reibung, gibt es natürlich in allen Lebensbereichen…und natürlich nicht nur in Österreich.

Wir sind neugierig auf deinen kleinen Bericht. – Wenn du magst, veröffentlichen wir ihn. (Das müsstest du uns einfach dazuschreiben, dann kommt dein Beitrag in einen Artikel, der Mitte Oktober veröffentlicht wird)”

– Sascha und Cristina

 

Es gab einige Reaktionen auf unsere Anfrage, auch yourmedia gefiel unsere Anfrage und stellte sie auf ihren Blog.

Ich möchte eine Antwort von einer langjährigen So-Sein Kundin und AHS Lehrerin vorstellen:

“Die Schule beginnt, Lehrer treffen sich bei einem Fest und es wird gejammert:

dass jetzt leider die Ferien aus sind (Tatsache)

dass das Sommerwetter schrecklich regnerisch war (Vergangenheit; in dem Moment ist es wunderbar sternenklar)

man regt sich jetzt schon über Schüer auf (Zukunft?!) 

Ich sage einem, dem gerade etwas über die Leber gelaufen ist und der eine Bestätigung möchte, dass nun also wieder dieses schreckliche Schuljahr beginnt, dass es mir sehr gut gehe und ich mit dieser Einstellung das Schuljahr beginne.  Und ich bin wirklich sehr freudig 🙂 Er hält kurz inne und bedankt sich dann.

Meiner Direktorin sage ich das gleiche, dass ich meinen Elan einbringen und dass ich mich von Mießmachern nicht runterziehen lassen möchte. Ich spüre, dass wir auf der gleichen Wellenlänge sind, da ist eine Herzensverbindung. Ich habe das Gefühl von gegenseitiger Stärkung, das Wissen, wenn einige am gleichen Strang ziehen, lässt sich von Grund auf ganz stark und zugleich ganz zart etwas verändern, das allen zugute kommt.

Und ich merke, wie gut es meiner Umgebung tut, wenn ich Ich bin. Früher glaubte ich, ich müsse mich in die Flüsse (von Gefühlen/Zuständen/Probleme…)anderer werfen um mit ihnen zu sein, um sie zu spüren…

nun erlaube ich mir in meiner Freude zu bleiben, auch wenn es meinem Gegenüber sehr schlecht geht, auch wenns tagelang schüttet, meine Tochter auszieht oder schwierige Aufgaben auf mich zukommen…

Ich gebe mich nicht mehr dem typisch österreichischen mainstream-Gejammer hin.

Was ist, das ist. Und in mir ist eine große Freude.”

Vielen Dank. Auch an alle anderen die sich jeden Tag aufs Neue bewusst mit den Umständen auseinandersetzen. Danke,

für dein Durchhalten und Dranbleiben, falls du gerade mutig und wach gegen den Mainstream und sein Wegschauen schwimmen solltest. Der Journalist KenFM konnte zeitweise gar nicht über Google gefunden werden, so stark ist zuweilen die Zensur (Angst und Kontrollzwang) unserer “freien” Mainstream-Medien.

für dein Loslassen und Aufgeben, tiefer Sinken und im Fluss sein, falls du gerade erkannt hast, wo du durch deinen Kampf das Bekämpfte eher bestärkst als verhinderst …und wahrscheinlich nur ein leidvolles Muster in dir wiederholst.

 

 


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