Zu Yama- dem ersten Glied des achtfachen Yogapfades. Heute: „Wirtschaften“

 

Heute zum Thema „Wirtschaften“ – denn auch das gehört zum Yoga. Es spiegelt die Selbsterfahrung innerhalb des sozialen Geflechts wieder. In der Yoga-Tradition könnte man für “Rechtes Wirtschaften” die Begriffe “Aparigraha” (Nicht-Zugreifen) bzw. auch “Asteya” (Nicht-Diebstahl) als Teilaspekte von Yama (ethisches Verhalten),  nennen.  Ich freue mich über deinen Kommentar im Anschluss dieser Zeilen. Schreib mir, wie DU das siehst. Das hier geht über eine Philosophieren zur Moralität hinaus, hinein in die überlebens-notwendige Transformation gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.

Ich habe mir das Zukunftsdossier des österreichischen Lebensministeriums “Alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle“  ein wenig angesehen und frage nun auch dich um Rat. Mein vielleicht „zu gerades“, radikales, traditionell yogisches Denken war nämlich schon beim Inhaltsverzeichnis dieses Dossiers irrtiert. Mir fehlt da etwas ganz Wichtiges. Warum steht da nichts Strukturelles über Geld an sich?

Wenn ich glaube, etwas zu den sozialen Entwicklungen dieser letzten Jahre verstanden zu haben, dann ist es das, dass alle unsere Staatsschulden täglich steigen MÜSSEN (auch die privaten, wenn wir uns an Kredite binden.) -Dann ist es das, dass jegliches Umverteilen, Sparen, Bankenaufsicht oder Besteuern nur eine ablenkende, kurzfristige Symptombekämpfung sein kann. Wir müssen nämlich täglich viel mehr an Geld zurückzahlen als bei der Giralgeldschöpfung überhaupt an Geld gedruckt wird. Sprich wir sind allesamt immer mehr im Mangel, wenn wir Geld in die Hand nehmen. Und dabei meine ich nicht den psychologischen Projektionsmechanismus „Mangel“, den das Geld natürlich auch ermöglicht, sondern etwas strukturell Gegebenes. Der kapitalistische Konkurrenzkampf steigt doch solange an bis wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen und alles kaputt ist. Alles andere wäre Schönrednerei, zumindest nach meinem bisherigen Verständnis unseres Geldsystems.

 In den letzten Jahren habe ich gelernt zu akzeptieren, dass es anscheinend zu den gesellschaftlichen Spielregeln gehört, die Wurzel des Problems im öffentlichen Diskurs zu verdrängen, anscheinend auch aus schmerzlichen Gründen die in unserer gemeinsamen Vergangenheit liegen. Ein System, das vor langer Zeit durch die Gier der Menschen auf Schiene gebracht wurde und jetzt exponentiell alles systematisch zerstört, soll anscheinend noch nicht in seiner ganzen Tragweite verstanden werden. Ich habe auch gelernt, dass die meisten Menschen Geld als ein herkömmliches Tauschsystem sehen, so als würden sie einfach mit Perlen tauschen. Den Rest überlassen sie den Experten und meinen, das dass alles viel zu komplex sei, um es wirklich verstehen zu können ohne Experte zu sein. Wirtschaftskrisen gehören einfach naturgemäß dazu, meinen sie. Die wenigen Mutigen jedoch, die dieses Wurzelproblem vieler anderer Probleme immer wieder ansprechen und darüber aufklären, versucht man einfach zu “Antisemiten” zu machen. Das scheint die sichere Allround Abwehr dieses großen Tabubruchs der Nachkriegsgenerationen zu sein. Nur EIN Beispiel: Der Versuch der Entmündigung von Bernd Senf. Gleich zu Beginn in einem seiner Vorträge spricht er darüber.  

Ich finde das Zukunftsdossier “Alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle“ des Lebensministeriums wichtig und verständlich. Bestehende Konsum- und Produktionsweisen zu kritisieren, den Wachstumszwang als Teil des Problems zu erkennen und Lösungswege zu zeigen, dabei jedoch aber nicht über das derzeitige Geldsystem zu sprechen, macht mir ein übles Gefühl im Bauch und lässt mich die und den Leser*in fragen:

  1. Muss man mit konstruktive Kritik leise und vorsichtig daher kommen ? Muss man erstmal in der Sprache des etablierten Systems sprechen, um überhaupt Gehör zu finden ? Macht es erst dann Sinn die wahre Krux bzw. ein Tabu anzusprechen, wenn man sich lang genug mit der Symptombehandlung auseinandergesetzt hat ?

  2. Kommt die tiefere Wahrheit immer erst am Ende einer Zivilisation heraus, kurz bevor diese zusammenbricht ? Wäre es einfach dzt. noch zu fatalistisch zu erkennen, dass dem Akt der Geldschöpfung selbst ein Versklavungs- und Zerstörungsmechanismus innewohnt ?  

  3. Irre ich mich und du die Erklärungen über Giralgeldschöpfungen im Internet stimmen einfach nicht bzw. sind zu sehr vereinfacht ? Das alles ist gar nicht so „vital viral“, wie von mir angenommen ?

Vielen Dank für deine Kommentare,

Sascha Tscherni

P.S.: In der So-Sein.at Event-Reihe “Mach mich still-Gemeinsam in die Stille” werden wir uns am diesjährigen Krampustag (5.12.2013) auch über  das Thema “Geld” zu einer echten lebendigen Stille hin sinken lassen. Hier der Ausschreibungstext, den du auch auf Facebook finden kannst. Anmeldung via Facebook oder direkt bei mir.

 
Was verdienst du? 
Wir meinen damit wieviel Geld du bekommst ?
..oder wie viel du wirklich gerechtermaßen VERDIENST ?

Da in diesen Jahren unser aller stärkstes Potential, unsere Kraftquelle oder Resource in unserem SCHATTEN steckt, möchte ich mich einem kollektiven Haupt-schatten emotional annähern: 

der absolute Unbewusstheit und der folgenreiche strukturelle Gewalt hinter dem schlichten Ausdruck „Geld verdienen“.

-Wie viel ist uns unsere Mühe und Zeit Wert ?
-Wie viel sind wir uns selbst Wert ?
-Wie wirkt sich die Tatsache auf mein Leben aus, dass einer 19000 Dollar in der Stunde verdient, die andere 1-2 Euro am Tag ?
-Was macht es mit mir, dass Frauen um so vieles weniger „verdienen“ als Männer ?

Besonders bei gesellschaftlichen Themen mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Menschen Kritik und Thematisierung überhaupt nur dann hören wollen, wenn man mit schon fertig ausgearbeiteten, am besten gleich lang erprobten professionellen Lösungen aufwartet. Das ist wohl ein natürlicher Verdrängungsmechanismus: Wir wehren den Schmerz ab mit „Na dann mach´s du doch besser!“

– Es gibt freilich genügend Lösungsmodelle, doch VOR einer geerdeten integrierte Lösung, steht das Anerkennen des Schmerzes. Diese Art der Bewusstwerdung wollen wir an diesem Abend eine Chance geben.

Wie ? Wir werden mit Aufstellungsarbeit einerseits “eklatant arm” (ver-dient kaum was) und “reich” (ver-dient so viel) gegenüberstellen und hinspüren, es so-sein lassen, in Stille spüren, neue Verbindung aufkommen lassen.

Diesmal soll im Sinne eines Hosts- und Organisationbeitrages für dich die Möglichkeit eines Energieaustausches geben: 7 Euro oder mehr sind willkommen.

Allgemeines zur “Mach mich still!” gibts hier zu lesen: https://so-sein.at/wp/machmichstill/
 

2 Kommentare

  1. Lieber Sascha,
    wenigstens stellst du schon mal die richtigen Fragen. Antworten darauf scheint es kaum zu geben.
    Ich habe für eine Weile meine Zeit dem Thema Klimaschutz gewidmet in einem Amt in einem österreichischen Bundesland. Und bei dieser Arbeit bin ich auch immer über diese Fragen gestolpert:
    * Wie schafft man es einen Menschen auf den Umkehrweg zu bringen, wenn er selbst schon erkannt hat, dass wir auf den Abgrund zu laufen? *
    Also in meinem Fall hochgebildete Wissenschaftler teilweise Beamte oder Politiker, die sogar das ein oder andere Gesetz auf den Weg bringen könnten. Und jeder, mit dem ich zu tun hatte, fand das Thema grundsätzlich wichtig und Veränderung nötig. Und jeder kam sehr schnell mit ein-zwei(-hundert) ABERs.
    Ich bin zu dem Schluss gekommen: wir müssen es einfach tun. Nicht warten, nicht fragen, nicht hoffen, dass es jemand (der mehr Macht hat?) in die Hand nimmt. Tu es und rede darüber! Zeig den Menschen: es gibt kein ABER! Für deine Fragestellung vielleicht mit einer Alternativwährung, wie den Learners: http://learner-x.com/ (Das Angebot befindet sich derzeit im Aufbau, trage deinen Teil dazu bei!)
    Die Frage mit dem Geld treibt natürlich besonders um. Ich habe derzeit einen Vollzeitjob (7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag) und verdiene nichts. Ich bin Hausfrau und Mutter dreier Buben. Wirtschaftlich betrachtet bin ich ein Desaster, ein absolutes Draufzahlgeschäft! Wäre ich eine Aktie, müsste man mich wohl abstoßen. Zum Glück bin ich aber eine Ehefrau, die wird man so leicht nicht los…
    Und trotzdem beschäftige ich mich in meiner kaum vorhandenen Freizeit mit der Frage: Was tun, um jemals wieder monetär etwas wert zu sein?
    Eigentlich ein Irrsinn. Genaugenommen würde ich gerne fragen: Wer entlohnt mich gerecht dafür, das ich die zukünftigen Arbeitnehmer, Steuerzahler, Rentenzahler usw. artgerecht auf den Weg bringe?
    Abschließend habe ich aufgehört mich vor dem Geld-Haben oder -nicht-Haben zu fürchten. Denn all diese Zahlen auf Kontoauszügen, Milliardenbeträge an Staatschulden oder für Bankenrettungen sind doch nur Zahlen. Und wenn es eines Tages zum Crash kommt – der meiner Meinung nach nicht zu vermeiden ist – dann sind diese Zahlen einfach weg. Fürchten werde ich mich ein wenig vor dem Chaos, das folgt; besonders solange ein paar noch immer genug Geld haben, um Kriege zu führen, um ihren Status ein wenig länger zu sichern. Aber wenn bis dahin genug Friedensträger wie du und ich leben, dann schaffen wir auch das.
    Das ist leider bei den Treibhausgasen anders. Auch wenn die Zahlen viel kleiner sind…
    In diesem Sinne: Stop talking – start doing!

    Viele Grüße ganz aus der Nähe,
    Yasmin

  2. Danke Yasmin,

    freut mich sehr. Die “learners” hab ich mir gerade angeschaut…

    …du inspirierst meinen Tag. Sobald Taten (in deinem Sinne) folgen sollten, werde ich darüber schreiben. Taten anderer Art wären für mich Yoga, Meditation und die So-Seins Begleitung als ein Beitrag für die Revolution der Herzen. Die ist ja wiederum die Basis für alles weitere. Und da kann man übrigens auch mit Tauschkreisstunden bezahlen.

    Danke dir nochmals und viel Glück bei der “großen Aufwertung”.

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