Was heißt da “Herz” ?

über innere Instanzen, von Sascha Tscherni

gewidmet den Organisatoren des Heart-Culture Festival 2013 im österreichischen Burgenland.

 

 

das Denken wird fragen: Wer hat jetzt wirklich recht? Was ist jetzt wirklich passiert?

 

das Denken weiß: Wenn das eine stimmt, kann das andere nicht stimmen. Entweder-Oder.

 

reingezoomt spürt da aber auch etwas eine unsichere Angst

oder eine durchgreifende Wut in diesem harten Entweder-Oder.

 

doch das Denken wird sich sofort am Riemen reißen und jede Aufweichung und jedes undefinierte Gefühl an die Kandare nehmen, neu ausrichten und sagen:

„ich weiß genau, wie und mit wem ich gut überleben kann.

da muss ich einfach durch. über meine Leiche.“

„Dafür bin ich und dagegen setze ich mich ein“, sagt das Denken.

 

das stille Herz1 hat das tiefe vertrauende Wissen, dass alles nur so sein kann, wie es gerade ist.

das Herz bejaht diesen Moment, weil er Ausdruck einer komplex gewachsenen, in sich abgestimmten Perfektion ist.

„Banaler geht’s wohl nun nicht!“, fährt das Denken hoch.

-“Verkiffter, aufweichender, ungerader Schwachsinn“, wirft es ein.

„Entweder du bist für uns oder gegen uns.“schreit es, und weiter: „Was willst du überhaupt hier?“.

 

das Herz weiß, dass dein Denken nur in schwarz-weiß, gut und böse, falsch und richtig denken kann.

das Herz weiß auch, dass das Denken gebraucht wird für dieses Leben,

doch nie allein als einzige Instanz überleben wird können.

 

denn auch das Denken geht immer wieder für Stunden schlafen, und ist die ganze Zeit über den tieferliegenden Stimmungen unterworfen.

denn auch das Denken ist Teil deines Wesens und braucht immer wieder Wurzelkraft und Nährboden von basaleren Ebenen wie Herz und Eier.

 

denn das Denken ist nicht so isoliert, wie es sich manchmal gerne inszeniert.

 

das Herz spürt, wann das denken eine wichtige lebenserhaltene Funktion hat

und wann das Denken sich tendentiell eher gegen den Rest der Instanzen deines Wesens wendet.

also destruktiv ist.

dass das Herz dann auch noch diese Destruktivität gut heißt und nicht dagegen ankämpft,

sondern es herzlich willkommen heißt, das wurmt das Denken dann gehörigst.

„Repression oder Dumpfbirne“ wird dem Herz vorwerfen und sich abgetrennt fühlen von der Gemeinschaft der Organe. (- und es könnte seiner Natur nach auch gar nicht anders reagieren.)

 

das Destruktive am Denken kann nur erkannt werden.

nein, nicht unbedingt vom Denken selbst, sondern von einer stilleren Instanz.

denn so paradox ist das Wesen der Polarität: das Destruktive am Denken kann nur überleben, wenn es vom Denken selbst bekämpft und somit gestärkt wird.

hat das stillere Herz nun Aufmerksamkeit bekommen, wird es nichts anderes tun als seine bisher liegen gelassene Aufgaben zu erledigen: alten individuellen und kollektiven Schmerz zu spüren und willkommen zu heißen und jede kleine Polaritätserfahrung zurückschmelzen in ein großes JA, zu dem was ist.

 

 

1„Herz“ ist hier nicht direkt mit der organischen Herzpumpe gleichzusetzen.

1 Kommentar

  1. The harvest of my pain was its own peace and remedy.
    As low as I had sunk, I rose, faith restored from blasphemy.
    Body, heart, and soul obscured the path, until
    Body melted into heart, heart in soul, and soul in love itself.

    ~ Rumi

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